Wörterbuch

In unserem 2014, in Kooperation mit CIAM-Studenten entwickeltem, Online-Wörterbuch, finden Sie Erklärungen und Informationen zu gängigen Begriffen aus der Tanzwelt, die nicht nur für die Einführungen und die Nachgespräche hilfreich sind.

Tanz – Deutsch / Deutsch – Tanz

(Zeitgenössischer Tanz eine Fremdsprache?)

Was ist „Bewegungsqualität“ oder „Ausdruckssprache“. Sehen Sie manchmal auch viele Fragezeichen, wenn Sie Ankündigungen und Kritiken lesen oder an Diskussion über zeitgenössischen Tanz teilnehmen? Wir erstellen mit Ihnen gemeinsam ein interaktives Wörterbuch mit Erklärungen verschiedenster Fachbegriffe. Ein Einstieg, nicht nur für Einsteiger. Während des Festivals wird das Wörterbuch fortlaufend erweitert und im tanz.tausch Salon und auf unserer Homepage präsentiert. Bringen Sie Ihre Fragen und Wörter mit zur Sprechstunde und tauschen diese gegen Wissen - ganz im Sinne von tanz.tausch.


Ausdruckstanz

steht als Begriff für den „modernen Tanz“ der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland etablierte und entstand aus einer Rebellion gegen das klassische Ballett. Diese neue Form des Tanzes begreift sich als eine "eigene Sprache", die sich allein durch Bewegungen ausdrückte. Tänzer, Choreografen und Pädagogen wie Mary Wigman, Rudolf Laban, Kurt Jooss und Gret Palucca machten sie bekannt.


Ausdruckssprache

Tanz ist genau so eine Ausdrucksform, wie die Sprache. Tanz und Sprache sind ähnlich. Jede Betonung, jede Bewegung, jede Berührung, jede Geste, jede Stellung im Raum drückt etwas aus, das verstanden wird nicht nur rational, sondern in der Seelenlandschaft des Menschen.


Abstrakter Tanz

eine Richtung der modernen Tanzkunst, die den menschlichen Körper lediglich als geometrisches Objekt benutzt und auf emotionale und darstellerische Elemente verzichtet.


Bewegungsqualitäten

die entstehen nach Rudolph van Laban durch das Zusammenspiel der vier „Bewegungsfaktoren“, Schwerkraft (weight), Zeit (time), Raum (space) und Bewegungsfluss (flow). Choreutik. So nannte Rudolf Laban seine Raumharmonielehre. Der Choreograf und Theoretiker, der vor allem ob seiner Bewegungsanalysen für den Tanz von Bedeutung ist, entwickelte ein Konzept von Raum, das sich auf den beweglichen "Umraum" des menschlichen Körpers bezog (Kinesphäre). Daraus konzipierte er ein Training, in dem der Tänzer den ganzen dreidimensionalen Raum um sich nutzen sollte.


Cirque Nouveau

ist ein Genre der darstellenden Kunst, entstanden im späten 20. Jahrhundert, in dem eine Geschichte oder ein Thema durch traditionelle Zirkuskunst (wie z.B.: Akrobatik) dargestellt wird.


Freie Szene

Was wie ein Euphemismus klingt – denn frei bedeutet in diesem Zusammenhang meist frei von Geld und Sicherheit – bezeichnet den Tanz abseits staatlicher Theater und fester Institutionen. Das trifft für den Großteil des zeitgenössischen Tanzes zu. Künstler der freien Szene arbeiten oft projektbezogen und können Förderungen entweder für einen Zeitraum oder nur für einzelne Stücke beantragen. Oft wird daher an ganz unterschiedlichen Orten produziert.


Improvisation

Mit der Entwicklung des „modernen Tanzes“ wird Improvisation zum zentralen Mittel in der Findung neuer Bewegungen. Spontanität und Zufall lautet das Motto. Durch die Arbeit mit Improvisation verändern sich die Arbeitsweisen der Choreografen, denn die Tänzer werden stärker in die Entwicklungen der Choreografien einbezogen. Eine der einflussreichsten Improvisationsformen für den zeitgenössischen Tanz ist die Contact Improvisation. Ursprünglich im New York der 1970er um eine Gruppe von Tänzern wie Steve Paxton, Nancy Stark Smith und Daniel Lepkoff entwickelt, hat diese Tanzform sich mittlerweile weltweit verbreitet.


Konzepttanz

ist jener heiß debattierte Begriff für Tanz- und Performanceformen, die die Reflexion über Tanz und die Art, wie er produziert wird, zum Thema machen. Diese Ausrichtung kann verstörend auf jene wirken, die Tanz zu allererst mit Bewegung assoziieren. Denn durch das Stillstellen, das Weglassen und die sprachliche Intervention wird er vielmehr auf seine wesentlichen Bestandteile hin befragt. Bekannte Choreografen der Konzepttanzes sind: Xavier le Roy, Eszter Salamon, Martin Nachbar, Thomas Lehmen und viele mehr.


Lecture Performance

Ein Vortrag als Performance – Mischung zwischen Kunst und Wissenschaft.


Modern Dance

lautet die Bezeichnung für einen vor allem aus Amerika kommenden modernen Tanzstil. Martha Graham, José Limon und Doris Humphrey haben ihn geprägt. Anders als die modernen Tänzer in den 1930er Jahren in Deutschland, entwickelten ihre amerikanischen Counterparts standardisierte Trainingsformen, die bis heute das moderne Tanztraining beeinflussen. Gehört haben wir davon vielleicht alle schon mal: "Contraction and Release" (Graham), "Fall and Recovery" (Limon/Humphrey). Mit diesen Prinzipien wurde die Arbeit mit Gewicht, Spannung und Loslassen als zentrales Element tänzerischer Bewegung eingeführt.


Performance

seit dem Ende der 1960er Jahre gebräuchliche Bezeichnung für die gestisch-theatralische Aktion eines Künstlers, bei der das Publikum im Gegensatz zum Happening nur zusieht und nicht einbezogen wird.


Postmoderner Tanz

ist wiederum eine Ausrichtung, die seit den 1950er Jahren den Tanz in den USA auf den Kopf stellte. Denn er wollte sich allein auf Bewegungen konzentrieren und sich jeglichen Ausdrucks verweigern. Choreografen wie Merce Cunningham, der als einer der zentralen Protagonisten gilt, lehnten die Expressivität und Emotionalität von Tänzen einer Martha Graham ab. Tänzer wie Yvonne Rainer, ¬Simone Forti, Trisha Brown und Twyla Tharp gingen noch einen Schritt weiter und integrierten alltägliche Bewegungen in ihre Stücke. Damit verweigerten sie sich einer klassischen Virtuosität.


Preview

Eine Vorschau bezeichnet eine Vorabbegutachtung eines noch nicht veröffentlichten Stückes, oft in kürzere Form (als Ausschnitt).


Tanztheater

ist ein dehnbarer Begriff. Oft wird er auf sämtliche Tanzformen angewandt, die einen theatralen Charakter haben. Im engeren Sinne bezeichnet er eine Tanzform, die sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts herausbildete und in den 1970er und 80er Jahren ein neues Gegenbild zum Ballett erschuf. Das Tanztheater, wie es idealtypisch von Pina Bausch, Reinhild Hoffmann und Susanne Linke verkörpert wird, zeigt allerdings Kontinuitäten zum Ausdruckstanz. Denn viele seiner Protagonisten haben Verbindungen zur Folkwangschule in Essen, die bereits 1927 vom Labanschüler Kurt Jooss gegründet wurde. Dort studierte man die analytischen Arbeiten und Lehren von Laban, seine Raumharmonielehre (Choreutik) oder Ausdruckslehre (Eukinetik). In Berlin fasste das Tanztheater dieser Ausprägung nur bedingt Fuß. Der wohl sichtbarste Protagonist war Johann Kresnik. Er sorgte mit seinen radikalen, provozierenden und oft politischen Stücken für Aufruhr. Zwischen 1993-2003 etablierte er den modernen Tanz an einem staatlichen Theater - der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. So etwas gelang in Berlin danach nur noch Sasha Waltz mit ihrem Wechsel an die Berliner Schaubühne 1999. Von der Spielstätte hat sie sich mittlerweile getrennt. Dennoch gilt sie als Berlins erfolgreichste und über die Stadt hinaus bekannteste Choreografin.


Zeitgenössischer Tanz

„Der zeitgenössische Tanz versteht sich nicht auf der Basis nur einer Technik oder ästhetischen Form, sondern aus der Vielfalt heraus. Er sucht Grenzüberschreitungen zwischen den Künsten und bricht immer wieder mit vorhandenen Formen. Zeitgenössischer Tanz in diesem Sinne hat eine offene Struktur, die sich bewusst von festgelegten, linearen Entwürfen der Klassik und Moderne absetzt.“ (Zitat von Johannes Odenthal)


Zeitgenössische Tanztechnik

ist ein Überbegriff für jene Praktiken geworden, die sich von älteren Formen des modernen Tanzes und seiner Technik unterscheiden. Ihre zahlreichen Methoden sind kaum zu vereinheitlichen, doch etwas Gemeinsames gibt es: Bewegungen wollen heute nicht unbedingt mehr etwas "ausdrücken".

Quellen:
tanz-ausdruck-sprache-mythologie
www.wissen.de
Christiane Berger: Körper denken in Bewegung, 2006, transcript Verlag, Bielefeld (s.51) tanzraumberlin.de/Magazin-Artikel (Teilzitaten in den Definitionen von Yvonne Hardt)